KI & die Zukunft des Bauens

Wir sprechen viel darüber, was KI alles verändern könnte. Aber vielleicht sollten wir uns fragen: Was kostet es uns, wenn alles so bleibt, wie es ist?

Ich glaube, wir erleben gerade einen technologischen Moment, den viele von uns schon einmal erlebt haben. Vor rund 15 Jahren waren Apps und digitale Anwendungen längst nicht so selbstverständlich wie heute. Vieles war neu, manches wirkte vielleicht abstrakt. Heute organisieren wir damit unseren Alltag, unsere Kommunikation und einen großen Teil unserer Wirtschaft.

Bei künstlicher Intelligenz erleben wir gerade einen ähnlichen Moment. Die Technologie entwickelt sich rasant und mit ihr die Frage, wo sie tatsächlich einen Unterschied machen kann. Gerade für die Bauwirtschaft ist diese Frage von großer Bedeutung. Denn unsere Branche steht vor enormen Herausforderungen: Wir müssen schneller und kostengünstiger bauen, Fachkräfte entlasten, Ressourcen effizienter einsetzen und zugleich komplexe Anforderungen bewältigen.

Ein besonders großes Potenzial liegt in den Verfahren, die dem eigentlichen Bauen vorausgehen. Wer bauen will, kann nicht darauf warten, dass Genehmigungen und Prüfprozesse über Jahre hinweg laufen. Deshalb müssen wir das Verwaltungs- und Genehmigungsverfahren konsequent digitalisieren und beschleunigen.

Der digitale Bauantrag ist dafür ein wichtiger Baustein. KI kann dort unterstützen, wo heute viel Zeit für Routinen und Informationsverarbeitung benötigt wird: etwa indem umfangreiche Unterlagen zusammengefasst, Informationen schneller auffindbar gemacht oder wiederkehrende Fragen automatisiert beantwortet werden. Es geht darum, Fachkräfte von Routinetätigkeiten zu entlasten und ihnen mehr Zeit für die Aufgaben zu geben, bei denen Erfahrung, Abwägung und Verantwortung gefragt sind. 

Ebenso in der Bauaufsicht entstehen erste konkrete Anwendungen. Ein KI-Pilotprojekt in Thüringen zeigt beispielsweise, wie das Fachwissen von Verwaltungsmitarbeitenden in ein KI-System übertragen und für wiederkehrende Prüfschritte nutzbar gemacht werden kann.

In Planung und Bau können große Mengen an Informationen analysiert und unterschiedliche Varianten schneller miteinander verglichen werden. Dadurch lassen sich Planungsprozesse effizienter gestalten und mögliche Optimierungspotenziale früher erkennen. Gleichzeitig eröffnet KI neue Möglichkeiten für die Entwicklung von Materialien und Bauweisen. Auch bei der Planung ressourcenschonender Konstruktionen oder bei neuen Formen des seriellen und modularen Bauens kann KI eine wichtige Rolle spielen.  

Die Bauwirtschaft gehört somit zu den Bereichen unseres Landes mit besonders großem Innovationspotenzial. Dieses Potenzial sollten wir nutzen.

Als Bauministerin möchte ich deshalb mit meinem Haus dazu beitragen, dass Innovationen schneller aus Forschung und Pilotprojekten in die Praxis kommen. Der Staat kann dabei vereinfachen, Forschung ermöglichen, Standards setzen und Anreize schaffen. 

Für mich bedeutet Offenheit gegenüber KI allerdings nicht, Risiken auszublenden. Wir brauchen starke KI-Lösungen made in Europe sowie klare Regeln, die Innovation ermöglichen und zugleich Sicherheit, Transparenz und unsere europäischen Werte schützen. Mit dem europäischen AI Act haben wir dafür einen gemeinsamen Rechtsrahmen geschaffen.

Fortschritt und Regulierung sind dabei kein Widerspruch. Im Gegenteil: Fortschritt entsteht nicht allein dadurch, dass neue Technologien existieren. Sondern dadurch, dass wir lernen, sie verantwortungsvoll für uns zu nutzen.