Sommertour 2026

Wenn in Berlin die sitzungsfreie Zeit beginnt, verlagert sich für mich als Bundestagsabgeordnete der Schwerpunkt meiner Arbeit noch stärker in den Wahlkreis. Diese Wochen nutze ich ganz bewusst, um in Trier und in Trier-Saarburg unterwegs zu sein, zuzuhören und mir vor Ort ein Bild davon zu machen, was die Menschen bewegt. Denn viele Themen, über die wir in Berlin entscheiden, werden hier ganz konkret: in den Kommunen, in Unternehmen und sozialen Einrichtungen, in Kitas und Schulen. Und vor allem im direkten Gespräch mit Ihnen und Euch. Genau das hat mich durch die Sommertour begleitet. Im Mittelpunkt standen diesmal die Themen Wohnungsbau, Holzbau und Weinbau – doch mindestens genauso wichtig war es mir, Unternehmen, Kitas, Schulen und Veranstaltungen zu besuchen und dabei mit den Menschen vor Ort ins Gespräch zu kommen.

Von Berlin nach Trier zu reisen, ist für mich immer ein sehr emotionaler Moment: Hier bin ich geboren und aufgewachsen, hier liegen meine Wurzeln, hier leben viele Menschen, die mich seit Jahren begleiten – und hier ist mein Wahlkreis. Umso mehr freue ich mich jedes Jahr darauf, während meiner Sommertour mehrere Tage am Stück in der Region unterwegs zu sein und mir Zeit für Begegnungen und Gespräche zu nehmen.

Los ging es in der VG Saarburg mit der Besichtigung des Feuerwehrgerätehauses Kreuzweiler-Dilmar, das komplett in Holzbauweise errichtet wurde – ein erster Vorgeschmack auf das Holzbau-Thema, das sich durch die ganze Tour ziehen sollte. Spannend bei diesem Projekt ist, dass ein nahezu identisches Modell auch in Lampaden errichtet wird. Beide Feuerwehrgerätehäuser werden auch im Kontext der Schwerpunktregion Holzbau Trier gefördert, für die ich mich in den vergangenen Jahren eingesetzt habe. Danach stand ganz im Zeichen des Moselweins der Auftakt des großen Weinfestes in Leiwen, bei dem ich in diesem Jahr die Schirmherrschaft übernehmen durfte. Nach der Abholung der neuen Weinköniginnen folgte der Krönungsabend im voll besetzten Festzelt – einfach beeindruckend, was die Leiwenerinnen und Leiwener da wieder auf die Beine gestellt haben.

Der folgende Sonntag führte mich in den Meulenwald und damit dorthin, wo die Geschichte des Holzbaus beginnt: in unseren Wald. Beim Meulenwaldtag des Forstamts Trier in Trier-Quint wurde unter dem Motto “Unser Holz – vom Wald ins Leben” eindrucksvoll sichtbar, wie viele Perspektiven auf den Wald zusammenkommen. Er ist Lebensraum und Erholungsort, aber eben auch Ursprung eines unserer nachhaltigsten Baustoffe. Nachhaltige Waldwirtschaft bedeutet für mich deshalb beides: den Wald als Naturraum zu schützen und seinen nachwachsenden Rohstoff verantwortungsvoll zu nutzen.

Gerade angesichts des Klimawandels wird diese Balance immer wichtiger. Unsere Wälder stehen unter Druck, zugleich müssen wir auch beim Bauen klimafreundlicher werden und unsere Gebäude besser an Hitze und andere Klimafolgen anpassen. Holz kann dabei einen wichtigen Beitrag leisten: Es speichert Kohlenstoff und stärkt als heimischer Baustoff gleichzeitig Forstwirtschaft, Handwerk und Unternehmen in unserer Region. Der Meulenwaldtag hat genau diesen Zusammenhang greifbar gemacht – nicht abstrakt, sondern zum Anfassen und zum Erleben.

Am Montag reichte das Programm von Trier-Land bis Schweich: Morgens startete ich mit einem Austausch zur Sanierung im Bestand mit den Stadtwerken Trier. Danach habe ich mit Ortsbürgermeister Medi Roth die KiTa Kordel besucht und bei einem anschließenden Ortsrundgang einige Gespräche mit den Menschen aus Kordel geführt. Nach der Besichtigung des Feuerwehrgerätehauses in Lampaden, einem Austausch mit der dortigen Freiwilligen Feuerwehr und Bürgerinnen und Bürgern vor Ort standen abends der traditionelle Sektempfang und die Jahrgangsweinprobe der Rieslingwinzerinnen und -winzer in Leiwen auf dem Programm.

Der nächste Tag stand ganz im Zeichen des Wohnungsbaus: In der Werner-Siemens-Straße wurde mir, begleitet von Oberbürgermeister Wolfram Leibe, eindrucksvoll gezeigt, wie beim Projekt „Wohnraum West“ kostensparend sozialer Wohnraum entstehen kann. In der Hohenzollernstraße habe ich mir im Anschluss ein Projekt angesehen, durch welches ein Mehrfamilienhaus in Holzständerweise aufgestockt wird, um so Wohnraum ohne neue Flächenversiegelung zu schaffen. Solche innovativen Projekte faszinieren mich und zeigen: Hier müssen wir noch mehr unterstützen und ermöglichen.

Von Hermeskeil bis Ruwer führte mich der nächste Tag, der bereits frühmorgens mit einem Interview im ZDF-Morgenmagazin begann. Es folgte eine Diskussion mit Schülerinnen und Schülern an der IGS Hermeskeil, ein Unternehmensbesuch bei Eiden Agro zu den Themen „Bauturbo“ und „Deutschlandfonds“ sowie ein Termin bei Markus Witt in Osburg, der mir durch seine vielfältigen Holzbauprojekte aufgefallen ist. Ein besonderer Höhepunkt der Sommertour war die Besichtigung des alten Romika-Gebäudes in Gusterath: Geschäftsführer und Inhaber der ortsansässigen Schreinerfirma Brakonier haben das historische Gebäude gekauft und wollen es zu neuem Leben erwecken. Ein starkes Beispiel dafür, wie Bestand, Handwerk und neue Ideen zusammenfinden können. 

Nach dem Besuch der KiTa Christ König in Trier-West ging es nach Saarburg, wo ich mit der Besichtigung des Großprojekts Terra-Saar startete. Im Anschluss folgte ein Austausch mit dem Winzerbetrieb Forstmeister-Geltz Zilliken, in dem wir die Herausforderungen im Weinbau in Zeiten des Klimawandels besprochen haben. Nach der Zertifizierung mit dem Label „Holz von hier“ bei der Firma Holzbau Weber in Saarburg ging es zum großen Highlight der Sommertour: dem offenen Bürgerdialog mit Stadtbürgermeister Andreas Reymann auf den Saarburg-Terrassen. Die Themenvielfalt und der Bedarf zum gemeinsamen Austausch waren groß. Genau für solche Gespräche ist eine Sommertour da: zuhören, unterschiedliche Perspektiven aufnehmen und auch die Themen mitnehmen, bei denen es keine einfachen Antworten gibt.  

Ein Termin, der mir im Rahmen dieser Sommertour besonders im Gedächtnis bleiben wird, ist der Besuch beim 30-jährigen Jubiläum des Café Haltepunktes – einem Angebot des Sozialdienstes katholischer Frauen in Trier. Denn der Name „Haltepunkt“ beschreibt sehr treffend, was dort seit drei Jahrzehnten geleistet wird: Es ist kein Endpunkt und keine Sackgasse, sondern ein Ort, an dem Frauen in schwierigen Lebenssituationen ankommen, zur Ruhe kommen und neue Kraft finden können. Ein geschützter Raum, eine warme Mahlzeit, eine Dusche, Beratung oder manchmal einfach ein Mensch, der zuhört – all das kann Halt geben, wenn andere Sicherheiten weggebrochen sind. 

Gerade bei Frauen bleibt Wohnungslosigkeit häufig unsichtbar. Manche kommen bei Bekannten unter, manche leben in unsicheren Verhältnissen und manche bleiben aus Angst vor der Wohnungslosigkeit sogar in gewaltvollen Beziehungen. Umso wichtiger sind Einrichtungen wie das Café Haltepunkt. Sie fragen nicht zuerst danach, was im Leben eines Menschen schiefgelaufen ist, sondern danach, was dieser Mensch jetzt braucht. Das Leitbild des Sozialdienstes katholischer Frauen – „Halt geben. Haltung leben.“ – bringt das auf den Punkt. Haltung bedeutet für mich dabei auch, Wohnungslosigkeit nicht als persönliches Scheitern zu begreifen, sondern jeden Menschen in seiner Würde zu sehen.

Als Bauministerin ist für mich klar: Wohnen darf kein Luxus sein. Ein Zuhause ist mehr als vier Wände und ein Dach. Es bedeutet Sicherheit, Selbstbestimmung und Teilhabe. Deshalb ist die Bekämpfung von Wohnungslosigkeit nicht allein eine sozialpolitische Aufgabe, sondern auch eine Frage der Menschenwürde. Mein großer Dank gilt allen Haupt- und Ehrenamtlichen, die das Café Haltepunkt seit 30 Jahren tragen und Frauen in Trier Halt geben.

Im Anschluss stand die Besichtigung des Bauprojekts „Herzstück Ehrang“ an. Dort erleben wir eine echte Transformation: Das ehemalige Krankenhaus in Trier-Ehrang wird im Bestand umgebaut und soll zukünftig in einem sogenannten „mixed-use“-Konzept genutzt werden – also sowohl mit Wohnungen als auch gesundheitlicher Versorgung ausgestattet sein. 

Den Abschluss meiner Sommertour bildete das DFB-Pokalspiel im Moselstadion, wo unsere Eintracht Trier gegen den RB Leipzig angetreten ist. Auch wenn unsere Jungs alles gegeben haben, sollte es dieses Mal nicht so sein. Vielen Dank für das spannende und leidenschaftliche Spiel. Genau so muss Fußball sein.

Was bleibt, sind spannende Gespräche, vielfältige Projekte und noch mehr Eindrücke. Und am Ende bleibt vor allem eines: Dankbarkeit für all die Begegnungen

Wohnungsbau, Holzbau und Weinbau waren die roten Fäden dieser Sommertour, aber im Kern ging es um etwas Größeres: um eine Region, die zeigt, wie die Zukunft vor Ort aussehen kann. Ob beim klimagerechten Bauen, beim Ringen um Wohnraum ohne neue Flächenversiegelung oder beim Erhalt einer Kulturlandschaft, die den Klimawandel längst zu spüren bekommt. Was ich in Kordel, Lampaden, Gusterath, Hermeskeil und Saarburg gesehen habe, macht mir Mut; und es macht mir gleichzeitig klar, wie viel Arbeit noch vor uns liegt.

Mit diesen Eindrücken im Gepäck ging es für mich zurück nach Berlin. Ich nehme die Themen, die Sorgen und die Hoffnungen aus dieser Sommertour mit in meine Arbeit im Bundestag und im Ministerium.

Ich freue mich schon sehr auf die kommende Sommertour.

Ihre Verena Hubertz